Wolfgang Sosnowski

Wer, so fragte ich mich eines Tages, kann anschaulicher und informativer eine Sucht erklären als ein ehemaliger Selbstbetroffener?

Als ehemaliger suchtmittelabhängiger Mensch ging ich durch alle Phasen der Abhängigkeit bis hin zur Psychose.

Mit 24 Jahren musste ich einen Verkehrsunfall mit erleben, indem von vier Menschen drei zu Tode kamen. Die Worte des Arztes klingen mir noch heute in den Ohren: „Herr Sosnowski, wenn sie jemals an Gott glaubten, dann tuen sie das jetzt. Aus medizinischer Sicht ist es ein Wunder, dass sie überlebt haben.“

Doch ich musste noch tiefer fallen. Ich wurde mit 27 Jahren in  die Forensik Wiesloch  eingeliefert. Als ich nach 4 Monaten unschuldig  mit einem Scheck von 1080 DM entlassen wurde war mein erster Gedanke:“Ich will nur leben.“

Heute weis ich, ohne diesen Schwur mir selber gegenüber und der feste Wille clean  werden zu wollen, würde ich heute nicht mehr leben. Noch mehr. Danach ging meine berufliche Karriere steil nach oben und ich übersprang  die höchsten Mauern und überwand alle Schwierigkeiten und Hürden

Meine Jugendträume und einmal Gärtner und Krankenpfleger werden zu wollen erfüllten sich. Heute schöpfe ich die Kraft für mein soziales Engagement, meine Suchtpräventionsarbeit an Schulen und das Arbeiten in psychiatrisch und drogengeführten Einrichtungen aus meiner eigener Kraft und Willen.

Toximan

Mit meinem Theaterstück TOXIMAN und dem Film „Jugend & Sucht“ gebe ich nicht das studierte und theoretische Wissen, sondern das erlebte Wissen weiter – das Wissen um das Wesen der Sucht.

Meine Devise moderner Suchtprävention lautet nicht Abschreckung, sondern zum Nachdenken anregen, Nachdenken über den eigenen Konsum und das Suchtverhalten, indem ich einen nachhaltigen Eindruck hinterlasse. Ich begegne Jugendlichen auf Augenhöhe und bin stets über neueste Entwicklungen in Szene und Drogenpolitik informiert. Gute Präventionsarbeit ist teuer, keine Präventionsarbeit ist noch teurer. Es muss sich ein Bewusstsein in der Gesellschaft entwickeln, dass Prävention wichtig und unterstützenswert ist.

Eine drogenfreie konsumierende Jugend wird in unserer Gesellschaft wohl eine Utopie bleiben. Mein Bestreben und Engagement als Polytoxikomane, der vor 25 Jahren seine jugendliche Drogenkarriere beendete, gilt heute suchtgefährdeten Jugendlichen und in der Sucht befindlichen Menschen. Dies ist mein Beitrag für die Gesellschaft, in der ich lebe.

Vita

  • Realschule mit Abschluss Mittlere Reife
  • Polytoxikomane mit einer 10-jährigen Drogenkarriere
  • Gärtner – Abschluss 1996 im ehemaligen Landeskrankenhaus der Stadt Göttingen
  • Gesundheits- und Krankenpfleger im Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende mit Abschluss im Jahre 2007
  • Kinder/Jugend und Familienberater bei der Paracelsus Schule in Göttingen mit Abschluss im Jahre 2010
  • 2012 Selbstständigkeit mit der Gründung von Toximan
  • seit 2016 Kooperationspartner von F.FOUNDATION www.f-foundation.org
  • Oktober 2017 Gründung des gemeinnützigen Vereins SuGe e.V. (Sucht-u.Gewaltprävention ) www.jugend-sucht-praevention.de
Menschen, die aus persönlichen Erfahrungen sprechen, sind die verlässlichsten Informanten. Objektivität ist ein Mythos. Das größte Vertrauen kann man in Menschen setzen, die aufrichtig sagen können: „Ich weiß wie Dir zumute ist, weil ich das selber durchgemacht habe.“

(Anne Wilson Schaef „Im Zeitalter der Sucht“)